Nicolas Otamendi hoert auf: Was Argentinien jetzt verliert

Nicolas Otamendi beendet seine Nationalteam-Karriere. Warum Argentinien mehr als einen Innenverteidiger verliert und wer jetzt Verantwortung tragen muss.

Nicolas Otamendi und Argentiniens neue Abwehrhierarchie

Nicolas Otamendi beendet seine Karriere in der argentinischen Nationalmannschaft. Fuer ihn ist es ein klarer Schlussstrich. Fuer Argentinien beginnt damit eine unangenehm konkrete Frage: Wer uebernimmt die Stimme, die in hektischen Spielen bisher noch vor dem naechsten Pass zu hoeren war?

Nationalmannschaft

Ein Verteidiger, der den Rhythmus kannte

Otamendi war selten der Spieler, ueber den eine Mannschaft vor dem Anpfiff definiert wurde. Gerade deshalb faellt sein Abschied ins Gewicht. Er wusste, wann eine Partie einen harten Zweikampf brauchte, wann der Ball ins Aus durfte und wann die Abwehrreihe zwei Meter weiter nach vorn musste. Das sind keine Szenen fuer eine Zusammenfassung. Sie entscheiden aber, ob ein Finale kippt oder ruhig bleibt.

In seinen grossen Jahren mit Argentinien stand er fuer eine Verteidigung, die nicht elegant wirken musste. Sie war unbequem, laut und in den entscheidenden Phasen selten zimperlich. Der Preis dafuer war manchmal ein riskanter Moment. Der Gewinn war eine Mannschaft, die auch dann eine Ordnung hatte, wenn das Spiel seine Ordnung verlor.

Sein Nachfolger braucht nicht dieselbe Art zu spielen. Er muss nur dieselbe Verantwortung annehmen.

Warum Erfahrung im Zentrum anders zaehlt

Auf den Aussenbahnen kann ein junger Spieler Fehler eher weglaufen. Im Zentrum bleiben sie stehen. Ein zu spaetes Herausruecken oeffnet den Passweg, ein unklarer Ruf laesst zwei Kollegen auf denselben Ball gehen. Otamendi kannte diese Bilder aus vielen Turnierspielen. Er spielte sie nicht immer fehlerlos, aber er spielte sie ohne Zaudern.

Das ist die Luecke, die jetzt sichtbar wird. Argentinien hat talentierte Verteidiger und genug Athletik fuer eine neue Linie. Was sich nicht per Nominierung verteilen laesst, ist die Hierarchie. Wer ordnet bei einer Ecke zu? Wer zieht die Kette zusammen, wenn der Gegner auf den Ausgleich drueckt? Diese Rollen wachsen ueber Monate, nicht ueber einen einzigen Lehrgang.

Der Umbruch kann die Mannschaft besser machen

Ein Abschied bietet auch eine Chance. Die neue Innenverteidigung muss nicht wie eine Kopie der alten funktionieren. Vielleicht wird sie beweglicher, vielleicht laesst sie sich staerker vom Sechser absichern. Entscheidend ist, dass der Wechsel nicht als Verlust verwaltet wird. Die Trainer muessen frueh festlegen, wer Verantwortung bekommt, statt bis zum naechsten grossen Spiel auf eine automatische Loesung zu hoffen.

Auch der Partner neben dem neuen Chef wird Teil der Antwort sein. Zwei Spieler, die beide attackieren wollen, lassen zu viel Raum hinter sich. Zwei reine Absicherer laden den Gegner ein. Die Balance zwischen Herausruecken und Warten entscheidet, wie hoch Argentinien verteidigen kann. Otamendi kannte diese Balance aus Erfahrung. Die neue Paarung muss sie erst finden.

Der Abschied hinterlaesst eine Arbeitsliste

Otamendis Nationalmannschaftskarriere wird vor allem mit Titeln und grossen Abenden verbunden bleiben. Sein eigentlicher Nachlass liegt aber in den kleinen Kommandos einer Abwehr. Argentinien verliert keinen Mythos, den man mit einem Namen ersetzt. Es verliert einen erfahrenen Innenverteidiger mit einer bestimmten Art, Druck zu organisieren. Wer diesen Platz einnimmt, wird nicht an einem grossen Spruch gemessen werden, sondern an den ersten zehn chaotischen Minuten eines engen Spiels.