Juergen Klopp wird Bundestrainer: Was sich jetzt aendert

Juergen Klopp uebernimmt die deutsche Nationalmannschaft. Warum sein Erfolg von klaren Pressingwegen, Balance und Rollen im Kader abhaengt.

Juergen Klopps taktische Aufgabe als neuer Bundestrainer

Juergen Klopp wird Bundestrainer. Die Nachricht ist gross, weil sein Name gross ist. Fuer die deutsche Mannschaft ist wichtiger, was er aus einem Kader macht, der viele gute Einzelspieler hat, aber zuletzt nicht immer eine gemeinsame Spielidee zeigte.

DFB-Neustart

Seine erste Aufgabe ist nicht die Ansprache

Klopp kann einen Raum mit Energie fuellen. Das ist bekannt und wird die ersten Bilder seiner Amtszeit bestimmen. Auf dem Platz braucht Deutschland jedoch vor allem Klarheit. Wer presst wann? Welcher Mittelfeldspieler sichert den Raum, wenn ein Aussenverteidiger nach vorn geht? Und wer bekommt den Ball, wenn der Gegner die Mitte zustellt?

Diese Fragen klingen trocken. Sie entscheiden trotzdem, ob eine Mannschaft nur gut aussieht oder auch enge Spiele gewinnt. In den vergangenen Jahren hatte Deutschland oft Phasen mit viel Ballbesitz und wenig Zugang zum Strafraum. Klopp wird nicht jede Partie in einen offenen Schlagabtausch verwandeln. Er muss aber eine Mannschaft formen, die nach Ballverlust nicht auseinanderfaellt und nach Ballgewinn schneller weiss, wohin sie will.

Pressing braucht einen Plan fuer den zweiten Ball

Klopp steht fuer Intensitaet, doch sein Fussball war nie bloss Rennen. Seine besten Teams pressten in Zonen, in denen der Gegner nur noch einen vorhersehbaren Pass hatte. Dann kam der zweite Ball, und die Angreifer waren schon in Bewegung. Deutschland hat Spieler, die dieses Tempo mitgehen koennen. Entscheidend wird sein, ob sie es als Gruppe tun.

Das betrifft besonders die Mitte. Ein offensiver Mittelfeldspieler kann nicht gleichzeitig den gegnerischen Sechser jagen und den Raum hinter sich schliessen. Klopp wird Aufgaben sauber verteilen muessen. Ein Laufweg ohne Absicherung ist kein Mut, sondern ein Geschenk an den Gegner.

Die neue Handschrift wird nicht daran zu erkennen sein, wie laut Deutschland presst. Sie zeigt sich daran, ob nach dem ersten Pressing jemand den naechsten Raum besetzt.

Mehr Freiheit, aber nicht fuer alle

Die spannendste Personalfrage liegt im letzten Drittel. Deutschland hat kreative Spieler, die gern zwischen den Linien auftauchen. Klopp kann ihnen Freiheiten geben, wenn die Staffelung dahinter stimmt. Ein Fluegelspieler darf nach innen ziehen, wenn die Seite besetzt bleibt. Ein Zehner darf Risiko gehen, wenn neben ihm ein Mitspieler die Balance haelt. Diese Absprachen wirken klein, machen aus einem Angriff aber eine wiederholbare Aktion.

Gerade deshalb sollte die Erwartung an den neuen Trainer nicht bei einer Stimmungskurve enden. Klopp wird Zeit brauchen, um Automatismen einzubauen. Die ersten Spiele koennen unruhig sein, weil ein aggressiverer Stil auch mehr Mut verlangt. Das waere kein Zeichen des Scheiterns. Es waere der Anfang einer Mannschaft, die wieder bewusst auf etwas zielt.

Der Name ist der Anfang, nicht die Antwort

Der DFB hat einen Trainer geholt, der Mannschaften eine erkennbare Haltung geben kann. Jetzt kommt der schwierigere Teil: Aus vielen Optionen eine verlassliche Ordnung zu bauen. Wenn Deutschland unter Klopp schneller nach vorn spielt und zugleich besser abgesichert ist, wird seine Wirkung sichtbar. Nicht in der ersten Pressekonferenz, sondern in den Minuten, in denen ein Spiel zu kippen droht.