Joshua Kimmich bleibt der Fixpunkt beim DFB

Rudi Völler rechnet damit, dass Joshua Kimmich unter Jürgen Klopp DFB-Kapitän bleibt. Entscheidend wird, ob der Bayern-Profi im Zentrum oder als Rechtsverteidiger führt.

Taktikgrafik zu Joshua Kimmich als DFB-Kapitän

Joshua Kimmich soll beim Neustart der deutschen Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp eine zentrale Rolle behalten. DFB-Sportdirektor Rudi Völler rechnet damit, dass der Profi des FC Bayern München weiterhin Kapitän bleibt. Die Entscheidung trifft Klopp, doch die Botschaft ist klar: Deutschland will Erfahrung nicht mit Stillstand verwechseln.

🧭 Ein Kapitän für den Neustart

Ein Trainerwechsel löst schnell große Erwartungen aus. Neue Ideen, neue Namen und neue Regeln gehören dann fast automatisch zur Debatte. Beim Deutschen Fußball-Bund beginnt mit Jürgen Klopp tatsächlich ein neuer Abschnitt. Trotzdem wäre es falsch, jede bestehende Hierarchie abzuräumen. Joshua Kimmich kennt die Mannschaft, den Druck der großen Turniere und die besondere Öffentlichkeit, die jedes Länderspiel begleitet.

Rudi Völler beschreibt Kimmich als Fahnenträger. Das ist keine bloße Höflichkeitsformel. Ein Kapitän muss auf dem Platz Ordnung geben, nach Niederlagen sprechen und in einer Kabine mit unterschiedlichen Charakteren glaubwürdig bleiben. Kimmich hat diese Rolle in vielen Spielen ausgefüllt. Er ist nicht frei von Kritik, aber er versteckt sich selten. Genau das kann in einer Phase wichtig sein, in der Deutschland wieder Vertrauen aufbauen muss.

⚽ Die Positionsfrage bleibt offen

Ob Kimmich die Binde trägt, ist nur ein Teil der Geschichte. Die größere sportliche Frage lautet: Wo spielt er? Beim FC Bayern München organisiert er häufig das Zentrum. In der deutschen Nationalmannschaft stand er zuletzt oft als Rechtsverteidiger auf dem Platz. Beide Rollen haben Vorteile, aber sie verändern das Gesicht der Mannschaft.

Als Rechtsverteidiger kann Joshua Kimmich früh nach innen rücken, Pässe ins Mittelfeld spielen und mit Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Leroy Sané kombinieren. Dafür fehlt im Zentrum ein Spieler, der den ersten Aufbau steuert. In der Sechserrolle kann Kimmich das Tempo bestimmen, Bälle fordern und die Seiten wechseln. Dann braucht Deutschland auf der rechten Seite jedoch eine verlässliche Alternative, die defensiv standhält und zugleich mutig nach vorn geht.

Jürgen Klopp wird diese Entscheidung nicht nach dem Rang eines Spielers treffen. Er wird prüfen, welche Kombination gegen unterschiedliche Gegner funktioniert. Neben Kimmich könnten Aleksandar Pavlovic, Robert Andrich oder ein anderer laufstarker Mittelfeldspieler für Balance sorgen. Dahinter bilden Antonio Rüdiger, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck und David Raum eine Auswahl mit klaren Profilen. Die Aufgabe des Trainers ist es, daraus eine Einheit zu formen, nicht nur eine Liste großer Namen.

🔥 Klopp braucht keine Kopie von Liverpool

Viele verbinden Jürgen Klopp sofort mit hohem Pressing, schnellen Gegenangriffen und emotionaler Wucht. Seine erfolgreichen Jahre bei Borussia Dortmund und Liverpool FC prägen dieses Bild. Eine Nationalmannschaft funktioniert aber anders als ein Verein. Klopp hat keine Monate, um Laufwege täglich zu wiederholen. Zwischen den Länderspielen bleiben oft nur wenige gemeinsame Einheiten. Deshalb müssen seine Ideen klar sein und von den Führungsspielern auf dem Platz weitergetragen werden.

Kimmich kann dabei helfen, weil er Situationen schnell liest und Verantwortung am Ball übernimmt. Er muss nicht jede Entscheidung allein treffen. Ein Kapitän ist kein Dirigent, der alle anderen nur begleitet. Seine Rolle besteht darin, Mitspieler einzubinden, Fehler einzuordnen und in hektischen Phasen die Verbindung zwischen Trainerbank und Platz zu halten. Klopp wird genau beobachten, ob Kimmich diese Aufgabe annimmt, auch wenn sich seine eigene Position verändert.

🧠 Führung braucht mehrere Stimmen

Die deutsche Nationalmannschaft darf ihre Zukunft nicht an einer Person festmachen. Manuel Neuer, falls er weiter zum Kader gehört, bringt Erfahrung aus großen Endspielen mit. Marc-André ter Stegen und Oliver Baumann stehen für Qualität im Tor. Antonio Rüdiger prägt die Abwehr mit seiner direkten Art. Jamal Musiala und Florian Wirtz können trotz ihres Alters auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Kai Havertz, Deniz Undav und Niclas Füllkrug bieten unterschiedliche Lösungen im Angriff.

Gerade diese Vielfalt ist entscheidend. Kimmich muss nicht alles tragen. Wenn die Mannschaft nach einem Rückstand nur auf ihren Kapitän schaut, stimmt etwas nicht. Gute Teams haben mehrere Spieler, die Verantwortung übernehmen. Klopp wird einen Rahmen schaffen müssen, in dem auch jüngere Profis sprechen, Entscheidungen treffen und Fehler machen dürfen. Das gilt ebenso für Spieler wie Nathaniel Brown, die sich in einem neuen Umfeld erst beweisen müssen.

🌍 Der nächste Schritt mit den Niederlanden

Die kommenden Spiele, darunter das Duell mit den Niederlanden, geben Klopp die erste Gelegenheit, seine eigene Handschrift zu zeigen. Die niederländische Mannschaft mit Spielern wie Virgil van Dijk, Frenkie de Jong, Xavi Simons und Cody Gakpo ist ein Gegner, der Deutschland sowohl technisch als auch körperlich fordert. Für Kimmich wäre diese Partie ein früher Prüfstein, unabhängig davon, ob er rechts oder im Zentrum beginnt.

Deutschland braucht kein künstliches Drama um die Kapitänsbinde. Rudi Völlers Einschätzung deutet an, dass Joshua Kimmich zunächst ein wichtiger Fixpunkt bleibt. Entscheidend ist, was daraus auf dem Rasen entsteht. Wenn Klopp eine klare Ordnung findet, Musiala und Wirtz Freiräume bekommen, die Abwehr stabiler steht und Kimmich seine Rolle akzeptiert, kann aus dem Neustart mehr werden als ein Wechsel auf der Trainerbank. Die Binde wäre dann kein Schutzschild. Sie wäre ein Auftrag. Auch das Gegenpressing nach eigenen Ballverlusten muss dabei klarer greifen, damit die offensiven Spieler nicht dauerhaft lange Wege zurücklegen müssen.